Was deine Website das Klima kostet — und warum die leichtere Website auch die bessere ist
Jeder Seitenaufruf verursacht CO₂ — im Schnitt 0,36 Gramm. Was eine Website schwer macht, warum Baukästen wie Wix das Problem verschärfen und wie ich Websites baue, die schnell UND sparsam sind.

Meinungsstück — Erfahrung aus eigenen Projekten, keine repräsentative Messung.
Eine Website fühlt sich unsichtbar an: kein Papier, kein Versand, kein Lager. Trotzdem verursacht jeder einzelne Seitenaufruf CO₂ — im Rechenzentrum, im Netz und auf dem Handy deines Besuchers. Im Durchschnitt sind es 0,36 Gramm CO₂ pro Seitenaufruf. Klingt nach nichts. Bei 10.000 Aufrufen im Monat sind es rund 43 kg CO₂ im Jahr — pro Website. Und das Web besteht aus Milliarden davon.
Warum ich darüber schreibe, obwohl die meisten meiner Kunden keine Klimabilanz für ihre Website führen: Die sparsame Website und die gute Website sind dieselbe Website. Weniger Datenvolumen heißt schnellere Ladezeit, besseres Google-Ranking, weniger Absprünge, niedrigere Hosting-Kosten. Nachhaltigkeit ist hier kein Verzicht — es ist ein Qualitätsmerkmal, das man messen kann.
Die wichtigsten Zahlen
- 0,36 g CO₂ verursacht ein durchschnittlicher Seitenaufruf (Sustainable Web Design Model).
- 50–80 % des Gewichts einer typischen Website sind Bilder.
- 1,7 MB JavaScript lädt eine durchschnittliche Wix-Seite auf dem Handy — Code, den der Besucher nie sieht, den sein Akku aber bezahlt.
- 120 KB vs. 23 KB: dieselbe Website, einmal als WordPress-Seite, einmal als statische Seite gebaut — 80 % weniger Datenvolumen.
- Nur 49 % der WordPress-Websites bestehen Googles eigene Geschwindigkeits-Kriterien (Core Web Vitals).
(Alle Quellen am Ende des Artikels.)
Was eine Website schwer macht
Der CO₂-Fußabdruck einer Website hängt fast vollständig an einer Größe: wie viele Daten pro Aufruf übertragen und verarbeitet werden. Vier Posten machen den Unterschied:
1. Bilder — der größte Hebel
Bilder sind auf den meisten Websites 50–80 % des Datenvolumens. Ein unbearbeitetes Foto aus der Kamera wiegt 5 MB; dasselbe Foto in modernem Format (AVIF/WebP) und passender Größe wiegt 80 KB — ohne sichtbaren Unterschied. Das ist keine Kunst, das ist Handwerk. Es wird nur selten gemacht.
2. JavaScript — der teuerste Posten pro Byte
Skripte müssen nicht nur übertragen, sondern auf dem Gerät deines Besuchers ausgeführt werden. Das kostet Rechenzeit und Akku — auf jedem Gerät, bei jedem Besuch. Der häufigste Ballast: Baukasten-Frameworks, Tracking-Skripte und Plugins, die auf jeder Seite mitgeladen werden, obwohl sie nur auf einer gebraucht würden.
3. Videos und Autoplay
Ein Hintergrundvideo im Seitenkopf ist der schnellste Weg zu einer 20-MB-Startseite. Wenn Video, dann per Klick — nicht automatisch.
4. Das Hosting
Strom ist nicht gleich Strom. Es gibt Rechenzentren, die nachweislich mit erneuerbarer Energie laufen — die Green Web Foundation führt ein öffentliches Verzeichnis. Seit 2026 gilt dort: Zertifikate-Kauf („Offsets“) zählt nicht mehr, nur echter Grünstrom. Ob ein Anbieter drinsteht, kann jeder in zehn Sekunden prüfen.
Warum Baukästen strukturell im Nachteil sind
Wix, Squarespace und Co. laden ihr komplettes Bedienungs-Framework auf jeder einzelnen Seite mit — auch dort, wo es nichts tut. Deshalb liegt eine durchschnittliche Wix-Seite bei 1,7 MB JavaScript auf dem Handy. Die Anbieter kaschieren das geschickt mit cleverem Nachladen, sodass sich die Seite schnell anfühlt — übertragen und verarbeitet wird das Datenvolumen trotzdem, bei jedem Besuch, auf jedem Gerät.
WordPress hat das umgekehrte Problem: Der Kern ist schlank, aber jedes Plugin bringt eigene Skripte und Stile mit, und der Server baut jede Seite bei jedem Aufruf neu zusammen. Ergebnis: Nur 49 % der WordPress-Websites bestehen Googles Geschwindigkeits-Kriterien.
Man kann beides optimieren. Aber man arbeitet gegen die Architektur, nicht mit ihr.
„Und KI-Websites? Sind die nicht noch schlimmer?“
Berechtigte Frage — mit einer Unterscheidung, die fast immer fehlt. Wie sich die Qualität einer KI-gebauten Seite objektiv prüfen lässt, steht in einem eigenen Beitrag; hier geht es nur um das Gewicht.
Der Strom fürs Erzeugen ist real: Eine KI-Anfrage kostet etwa zehnmal so viel Energie wie eine klassische Google-Suche. Aber eine Website wird einmal erzeugt und millionenfach ausgeliefert. Entscheidend für die Bilanz ist nicht, wie die Website entstanden ist — sondern was dabei herauskommt und jahrelang an jeden Besucher ausgeliefert wird.
Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen. KI-Baukästen, die auf Knopfdruck fertige Seiten ausspucken, erzeugen meist schwergewichtige App-Konstruktionen: ein komplettes Software-Framework für eine Seite, die eigentlich nur Text, Bilder und ein Kontaktformular braucht. Das ist, als würde man einen Reisebus kaufen, um Brötchen zu holen.
Die KI ist dabei nicht das Problem. Das Problem ist, was man sie bauen lässt.
Wie ich das löse — zwei Wege, ein Prinzip
Ich baue Websites auf zwei Arten, und beide sind bewusst so gewählt, dass Geschwindigkeit und Sparsamkeit eingebaut sind statt nachgerüstet:
Für Premium-Projekte arbeite ich mit Webflow. Von den großen Plattformen erzeugt Webflow den saubersten Code: kein Baukasten-Framework, das auf jeder Seite mitfährt, automatisch optimierte Bilder, Auslieferung über ein schnelles globales Netzwerk. Du bekommst individuelles Design mit einem System, das du später selbst pflegen kannst — ohne Plugin-Friedhof.
Für die Express-Website gehe ich noch einen Schritt weiter: statisches HTML, geschrieben von Claude, einem der leistungsfähigsten KI-Modelle — aber nach meinen Regeln. Die KI baut hier keine App-Konstruktion, sondern klassisches, handwerklich sauberes HTML und CSS: keine Frameworks, kein unnötiges JavaScript, vorgefertigte Seiten, die der Server nur noch ausliefern muss. Gehostet wird bei einem zertifizierten grünen Anbieter. Zur Einordnung: Im Vergleichstest wog dieselbe Website statisch gebaut 23 KB statt 120 KB — ein Fünftel. Das ist KI als Werkzeug in einer disziplinierten Werkstatt, nicht KI als Automat. Was die beiden Wege kosten.
Das Prinzip hinter beidem ist dasselbe: Jedes Byte, das nicht ausgeliefert wird, muss nicht erzeugt, übertragen und verarbeitet werden. Davon profitiert das Klima — und in gleichem Maß dein Google-Ranking, deine Ladezeit und deine Besucher mit schlechtem Empfang im Zug.
Mach den Test — 30 Sekunden
Du kannst den Fußabdruck deiner eigenen Website sofort prüfen: websitecarbon.com öffnen, Adresse eintragen, fertig. Der Wert ist eine Schätzung, aber eine ehrliche — und er macht Websites vergleichbar.
Diese Seite hier misst sich übrigens gerade selbst — das ist der Live-Wert, kein Werbetext:
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung: 0,15 g CO₂ pro Seitenaufruf — weniger als die Hälfte des Durchschnitts (0,36 g) und sauberer als 70 % aller getesteten Websites. Und weil Transparenz nur zählt, wenn sie auch das Unfertige zeigt: Der Check bemängelt zu Recht, dass mein eigenes Hosting noch nicht als grün gelistet ist — das würde weitere 9 % sparen. Steht auf meiner Liste. Genau dafür ist so ein Messwert da.
(Und ja — das Badge oben ist selbst ein kleines Skript von einem Drittanbieter. Keine 2 KB leicht — und trotzdem habe ich es gewogen, bevor ich es eingebaut habe. Genau so sollte man mit jedem Skript umgehen.)
Was du mitnehmen solltest
- Datenvolumen ist die eine Kennzahl, an der fast alles hängt: CO₂, Ladezeit, Ranking, Nutzererlebnis.
- Bilder zuerst. Der größte Hebel, der am seltensten genutzt wird.
- Frag beim Hosting nach — oder prüf es selbst im Verzeichnis der Green Web Foundation.
- Trau Seiten nicht, die sich schnell anfühlen, aber schwer sind. Google misst nach — und deine Besucher zahlen mit Akku und Datenvolumen.
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Häufige Fragen
Wie viel CO₂ verursacht eine Website?
Ein durchschnittlicher Seitenaufruf verursacht rund 0,36 g CO₂ (Sustainable Web Design Model). Bei 10.000 Aufrufen im Monat sind das etwa 43 kg CO₂ pro Jahr. Der Wert hängt fast vollständig am übertragenen Datenvolumen — leichte Websites liegen um ein Vielfaches darunter.
Was macht eine Website nachhaltig bzw. klimafreundlich?
Vier Dinge, nach Wirkung sortiert: optimierte Bilder in modernen Formaten (Bilder sind 50–80 % des Seitengewichts), so wenig JavaScript wie möglich, keine automatisch abspielenden Videos und Hosting mit nachweislich erneuerbarer Energie (prüfbar im Verzeichnis der Green Web Foundation).
Sind Baukästen wie Wix oder Squarespace schlecht fürs Klima?
Sie sind strukturell im Nachteil: Das komplette Bedienungs-Framework wird auf jeder Seite mitgeladen — bei Wix im Schnitt 1,7 MB JavaScript pro Seite auf dem Handy. Die Seite kann sich trotzdem schnell anfühlen, aber Datenvolumen, Akkuverbrauch und CO₂ fallen bei jedem Besuch an.
Sind KI-erstellte Websites Energieverschwendung?
Das Erzeugen kostet einmalig Energie (eine KI-Anfrage etwa das Zehnfache einer Google-Suche), das Ausliefern kostet dauerhaft. Entscheidend ist das Ergebnis: KI-Baukästen liefern oft schwergewichtige App-Konstruktionen. Lässt man die KI dagegen klassisches statisches HTML schreiben, entsteht eine der leichtesten Website-Formen überhaupt — im Vergleichstest 23 KB statt 120 KB für dieselbe Seite.
Woran erkenne ich grünes Hosting?
Im öffentlichen Verzeichnis der Green Web Foundation (thegreenwebfoundation.org). Seit 2026 akzeptiert die Stiftung keine CO₂-Kompensationen mehr als Nachweis — gelistet wird nur, wer nachweislich mit erneuerbarer Energie arbeitet.
Quellen
- Sustainable Web Design Model (sustainablewebdesign.org) und Website Carbon Calculator (websitecarbon.com) — Durchschnittswerte und Berechnungsmethodik
- PageSpeed Matters, Plattform-Vergleich 2026 — JavaScript-Gewichte und Core-Web-Vitals-Quoten von Wix, Squarespace, Webflow und WordPress
- Green Web Foundation — Verzeichnis grüner Hosting-Anbieter und Nachweisregeln
- Internationale Energieagentur (IEA) — Energieverbrauch von KI-Anfragen im Vergleich zur klassischen Websuche
- Fallstudie Opace Digital — dieselbe Website als WordPress- und als statische Version (120 KB vs. 23 KB)
Timo Birck betreibt TB Webdesign, eine Webdesign- und GEO-Agentur in München.
